Aufstellungen im Coaching: Wirksam, strukturiert und weit entfernt von Esoterik

Wer sich mit Coaching beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff Aufstellungen. Für manche klingt das direkt spannend, für andere erstemal einfach ungewohnt oder sogar esotherisch – und genau deshalb gibt es oft Unsicherheiten oder Vorbehalte.

In diesem Artikel erährst du, was eine Aufstellung ist und was sie im Coaching so wirksam macht.

Foto: Robert Lukeman / Unsplash

Was sind Aufstellungen im Coaching?

Systemische Aufstellungen im Coaching ein professionelles, methodisch klares Werkzeug, das weit verbreitet ist und seit Jahrzehnten erfolgreich angewendet wird. Sie werden im Coaching genutzt, um innere Bilder, Beziehungen, Dynamiken und Muster sichtbar zu machen.
Das bedeutet: Dinge, die normalerweise nur in deinen Gedanken stattfinden, werden im Raum oder digital dargestellt – strukturiert, sichtbar, begreifbar.

Typische Formen von Aufstellungen:

  • Systemaufstellungen (Familie, Team, Organisation)

  • Themen- oder Problemaufstellungen

  • Ziel- und Ressourcenaufstellungen

  • Entscheidungsaufstellungen

  • Innere-Anteile-Aufstellungen (z. B. „inneres Team“)

Der Kern ist immer der gleiche:
Du siehst dein Thema außerhalb von dir, statt nur darüber nachzudenken. Dadurch entsteht eine neue Perspektive, die viele Coachees als überraschend klar, emotional erleichternd und lösungsorientiert erleben.

Wie läuft eine Aufstellung im Coaching ab?

Ein professioneller Coach führt eine Aufstellung in klaren Schritten durch. Hier ein typischer Ablauf:

1. Ziel- und Themenklärung

Bevor überhaupt etwas „aufgestellt“ wird, klärt der Coach:

  • Was genau möchtest du anschauen?

  • Worum geht es wirklich?

  • Was wäre eine hilfreiche Erkenntnis oder Veränderung?

Eine seriöse Aufstellung startet immer mit einer klaren Fragestellung.

2. Auswahl der Elemente

Dann wird entschieden:

  • Welche Personen, Rollen, Gefühle oder Anteile sind relevant?

  • Welche Ressourcen sollen berücksichtigt werden?

  • Welche Hindernisse oder Einflussfaktoren gibt es?

Diese Elemente werden anschließend durch Bodenanker, Gegenstände, Karten oder Figuren dargestellt.

3. Positionierung im Raum

Jetzt bringst du die Elemente in eine erste Position:

  • Wie stehen sie zueinander?

  • Wie nah sind sie?

  • Welche Perspektive haben sie?

  • Wo stehst du im System?

Hier entsteht oft bereits die erste Erkenntnis. Dinge, die „im Kopf“ diffus wirken, werden plötzlich konkret.

4. Wahrnehmung & Reflexion

Der Coach lädt dich ein, wahrzunehmen:

  • Welche Emotionen spürst du?

  • Wie wirkt die Position auf dich?

  • Was fällt dir auf?

  • Was überrascht dich?

Es geht nicht um Interpretation oder „Deutung“, sondern um bewusste Selbstwahrnehmung.

5. Arbeit am System

Nun beginnt die eigentliche Veränderungsarbeit:

  • Rollen werden verschoben

  • Perspektiven werden gewechselt

  • Ressourcen werden hinzugefügt

  • Bedürfnisse werden sichtbar

  • Blockaden werden aufgelöst oder neu eingeordnet

Der Coach führt dich durch diese Schritte – immer transparent, freiwillig und lösungsorientiert.

6. Integration & Transfer

Zum Abschluss reflektiert ihr:

  • Was hast du erkannt?

  • Welche Dynamiken möchtest du verändern?

  • Welche Schritte ergeben sich für deinen Alltag?

  • Was nimmst du aus der Aufstellung mit?

Eine gute Aufstellung endet niemals im Raum – sie endet im Leben.

Warum Aufstellungen so gut funktionieren

Aufstellungen wirken, weil sie mehrere Ebenen gleichzeitig ansprechen:

1. Kognitive Ebene: Komplexe Themen werden strukturiert und sortiert.

2. Emotionale Ebene: Viele Menschen spüren plötzlich Klarheit oder Erleichterung.

3. Körperliche Ebene: Positionen „fühlen“ sich plötzlich richtig oder falsch an – das ist wertvolle Information.

4. Visuelle Ebene: Du siehst das System, statt es dir vorzustellen. Das verändert Denkprozesse enorm.

Diese Kombination macht Aufstellungen besonders tiefgehend und nachhaltig wirksam.

Wichtige Abgrenzung: Coaching-Aufstellungen vs. Esoterik

Gerade weil Aufstellungen emotional wirken können, verwechseln manche Menschen sie mit esoterischen Praktiken. Deshalb ist eine klare Abgrenzung wichtig.

Coaching-Aufstellungen sind NICHT:

  • spirituelle Rituale

  • energetische Heilmethoden

  • Zukunftsvorhersagen

  • Kommunikation mit „Feldern“

  • karmische oder mystische Deutungen

Coaching-Aufstellungen SIND:

  • eine systemische Methode

  • wissenschaftlich fundiert (Systemtheorie, Psychologie)

  • reflektiv, nicht „lesend“

  • bewusst, sicher und transparent

  • ohne esoterische Zuschreibungen

  • angelehnt an moderne Coaching- und Beratungspraxis

Seriöse Coaches arbeiten ohne Aussagen wie „Das Energiefeld sagt…“, spirituelle Diagnosen, oder Interpretationen, die der Coachee nicht selbst nachvollziehen kann.

Stattdessen geht es darum, deine eigene Wahrnehmung zu stärken – nicht darum, Bedeutungen „hineinzulesen“.

Für welche Themen eignen sich Aufstellungen besonders?

Aufstellungen sind ideal bei Themen, die komplex, emotional oder vielschichtig sind:

  • Entscheidungsfindung

  • Team- oder Führungsthemen

  • Klärung von Rollen und Erwartungen

  • Konflikte (intern oder extern)

  • Selbstführung & innere Anteile

  • Abgrenzung & Bedürfnisse

  • Umgang mit Belastungen

  • Karriereorientierung

  • private oder berufliche Beziehungen

Sie können aber auch bei klaren Zielen oder Ressourcenaufbau wertvolle Impulse geben.

Wo die Grenzen von Aufstellungen liegen

Aufstellungen können viel – aber nicht alles.

Sie sind nicht geeignet für:

  • Trauma-Aufarbeitung

  • Krisenintervention

  • psychische Erkrankungen

  • therapeutische Diagnosen

  • medizinische Themen

In solchen Fällen ist Psychotherapie der richtige Rahmen.

Ein professioneller Coach erkennt diese Grenzen und arbeitet verantwortungsbewusst.

Zum Thema Psychotherapie vs. Coaching lies gerne diesen Artikel.

Fazit: Aufstellungen im Coaching sind wirksam – und klar nicht esoterisch

Systemische Aufstellungen gehören zu den wirkungsvollsten Methoden im professionellen Coaching.
Sie sind strukturiert, klar, analytisch und gleichzeitig emotional zugänglich. Sie machen Unsichtbares sichtbar, bringen Komplexität in Ordnung und ermöglichen tiefgehende Erkenntnisse.

Und das Beste:
Sie haben nichts mit Esoterik zu tun – solange sie seriös durchgeführt werden.

Wenn du ein komplexes Thema hast, bei dem du das Gefühl hast, „im Kopf im Kreis zu drehen“, kann eine Aufstellung genau die Methode sein, die plötzlich Licht reinbringt.


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