Interventionen im Coaching - was ist das und was macht man damit?
Im Kontext von Coaching wird oft von Interventionen gesprochen. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff eigentlich? Spoiler: Mit der englischen “intervention” hat es nur bedingt zu tun.
Welche Arten von Interventionen es gibt, wie sie wirken und weitere Informationen erhältst du im Artikel.
Foto: Ugne Vasyliute / Unsplash
Coaching-Interventionen: Was steckt eigentlich hinter diesem Begriff?
Wenn es um Coaching geht, fällt früher oder später ein Wort, das viele verwirrt: Interventionen. Manche denken an das englische intervention – also ein Eingreifen „von außen“, vielleicht sogar etwas Dramatisches, das man aus Filmen kennt (ich denke da beispielsweise immer an How I met your mother).
Doch im Coaching bedeutet Intervention etwas ganz anderes.
Sie ist weder ein Notfalleinsatz noch eine radikale Unterbrechung. Vielmehr ist sie ein professionelles Werkzeug, das Coaches bewusst einsetzen, um Reflexion, Erkenntnis und Veränderung zu ermöglichen.
Was meint „Intervention“ im Coaching wirklich?
Im Coaching beschreibt eine Intervention jedes methodische Vorgehen, das ein Coach einsetzt, um den Coachee bei einem Erkenntnis- oder Veränderungsprozess zu unterstützen. Das kann eine Frage sein, eine Übung, ein Perspektivwechsel oder eine Reflexionsmethode.
Interventionen sind also Werkzeuge – nicht mehr und nicht weniger.
Wichtig dabei:
Interventionen im Coaching sind nie konfrontativ oder unangekündigt.
Sie sind kein Eingriff, keine „Rettungsaktion“ und sicher kein dramatisches Unterbrechen einer Situation.
Stattdessen geht es um:
Struktur
Orientierung
Klarheit
Selbstreflexion
Ressourcenaktivierung
neue Handlungsoptionen
Coaching-Interventionen zielen immer darauf ab, dass der Coachee selbst denkt, fühlt, spürt und entscheidet. Es geht also nicht darum, jemanden zu verändern – sondern Veränderung möglich zu machen.
Warum der Begriff oft missverstanden wird
Das Missverständnis entsteht, weil im Englischen „intervention“ meist ein eher drastischer Begriff ist – z. B. ein medizinischer oder sozialarbeiterischer Eingriff.
Im deutschsprachigen Coaching hingegen bedeutet Intervention:
ein gezielter methodischer Impuls im Prozess
bewusst ausgewählt
mit klarer Absicht
immer gemeinsam und transparent
Oder einfacher gesagt:
Eine Intervention ist ein methodischer Schritt, der hilft, ein Thema tiefer zu verstehen oder weiterzukommen.
Typische Arten von Coaching-Interventionen
Interventionen können sehr unterschiedlich aussehen – je nach Coach, Thema, Ziel und Persönlichkeit des Coachees. Hier sind die häufigsten Kategorien:
1. Fragetechniken
Die wohl klassischste Form:
Skalierungsfragen
Hypothetische Fragen
Systemische Fragen
Fragen nach Ressourcen
Reframing-Fragen
Sie öffnen neue Perspektiven, schaffen Klarheit und lösen festgefahrene Denkmuster.
2. Visualisierungs- und Strukturierungstools
Beliebt, weil sie komplexe Themen plötzlich greifbar machen:
Lebensrad
Werte- oder Glaubenssatzarbeit
Timeline-Arbeit
Zielbilder und Zukunftsvisionen
Mindmaps oder Kartenlege-Methoden
Sie bringen Ordnung in Gedanken und zeigen Muster sichtbar auf.
3. Körper- und Wahrnehmungsinterventionen
Viele Entscheidungen sind nicht rein rational – daher beziehen Coaches oft den Körper mit ein:
Atemübungen
Achtsamkeitssequenzen
Embodiment-Übungen
Mini-Meditationen
Wahrnehmungschecks („Wo spürst du das gerade?“)
Solche Interventionen holen Menschen ins Hier und Jetzt und schaffen emotionale Klarheit.
4. Rollen- und Perspektivwechsel
Sehr wirkungsvoll, wenn man feststeckt:
Inneres Team
Rollenwechsel
Stühlearbeit
Perspektivenarbeit (Ich – Du – Beobachter)
Oft reichen schon wenige Minuten, um neue Handlungsoptionen sichtbar zu machen.
5. Ressourcenorientierte Interventionen
Hier steht im Mittelpunkt, was schon da ist:
Erfolgsanalyse
Stärkenarbeit
Identifikation vergangener Erfolgsmomente
Ressourcenanker
Solche Interventionen stärken Selbstwirksamkeit und Motivation.
Wie Coaching-Interventionen wirken
Interventionen sind kein Selbstzweck. Sie funktionieren nur dann, wenn sie:
zum Thema passen
zum Menschen passen
zum Moment passen
zur Zielsetzung passen
Ihre Wirkung entsteht durch:
Reflexion – du denkst anders über dein Thema nach
Emotionale Einsicht – du spürst, was dir wirklich wichtig ist
Kognition & Struktur – du erkennst Muster und Zusammenhänge
Motivation – du entdeckst neue Energie und Möglichkeiten
Handlungsfähigkeit – du findest konkrete Schritte
Gute Interventionen sind nie manipulativ. Sie „schubsen“ nicht, sie öffnen.
Wo die Grenzen von Coaching-Interventionen liegen
So hilfreich Interventionen sind – sie ersetzen keine Therapie und keine tiefgreifende Bearbeitung psychischer Belastungen.
Grenzen bestehen, wenn:
starke, anhaltende psychische Symptome auftreten
Trauma-Bearbeitung notwendig ist
Diagnostik oder medizinische Begleitung gebraucht wird
das Thema stark emotional destabilisiert
In solchen Fällen ist Psychotherapie der richtige Weg. Ein professioneller Coach erkennt das – und kommuniziert es klar.
Mehr zur Unterscheidung zwischen Psychotherapie und Coaching erfährst du im Artikel “Coaching vs. Psychotherapie xxxx”.
Wie du gutes Coaching an der Qualität der Interventionen erkennst
Achte auf folgende Punkte:
Transparenz: Gute Coaches erklären, warum sie welche Intervention einsetzen und binden dich in die Entscheidung der Intervention mit ein.
Freiwilligkeit: Du hast jederzeit die Möglichkeit, „nein“ zu sagen.
Passung und Individualität: Keine Intervention ist „Standard“. Sie wird für dich ausgewählt und angepasst.
Kompetenz: Ein Coach beherrscht die Methode, die er nutzt – und fühlt sich sicher damit.
Rücksicht auf dein Tempo: Du wirst nicht überfordert oder gedrängt.
Fazit: Interventionen sind die Werkzeuge eines wirksamen Coachings
Coaching-Interventionen sind keine dramatischen Eingriffe, sondern gezielt eingesetzte Impulse, die Klarheit, Erkenntnis und Veränderung ermöglichen. Sie helfen dir, deine eigenen Antworten zu finden, Muster zu erkennen und neue Wege zu entdecken.
Wenn Coaching gut gemacht ist, spürst du es an der Qualität dieser Interventionen:
professionell, passend, wertschätzend – und immer darauf ausgerichtet, dich zu stärken.
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